23. Februar 2012

konsilo

Management und Beratung

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konsilo im Interview mit der Berliner Morgenpost: “Effiziente Strukturen in der Pflege aufbauen”

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Wegen des steigenden Altersdurchschnitts in der Bevölkerung entwickelt sich die Alten- und Krankenpflege zu einer wachstumsstarken Branche. Doch die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege geraten ins Hintertreffen: Private Pflegekonzerne machen den bisherigen Marktführern immer mehr Patienten – also Kunden – abspenstig. Anette Sydow sprach mit dem Berliner Unternehmensberater Heinrich B. Pieper über den Umbruch in der Alten- und Krankenpflege. Piepers Firma “konsilo” hat sich auf die Beratung von Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege spezialisiert.

Berliner Morgenpost: Warum können gemeinnützig geführte Krankenhäuser und Pflegeheime nicht mit privaten mithalten?

Heinrich Pieper: Grundsätzlich sind die meisten gemeinnützig geführten Häuser durchaus konkurrenzfähig. Unterschiede gibt es etwa da, wo die Gemeinnützigen sich an den Tarifen des öffentlichen Dienstes orientieren, die weniger leistungsbezogen sind. Allerdings entwickeln immer mehr gemeinnützige Träger eigene Entlohnungssysteme und flüchten so aus dem starren Korsett. Das kann ihre Position im Wettbewerb entscheidend verbessern.

Was macht den gemeinnützigen Trägern noch zu schaffen?

Die Gemeinnützigen unterscheiden sich von privaten Anbietern im Gesundheitssystem durch ihren rechtlichen Status. Die Gemeinnützigkeit bringt ihnen zwar zunächst steuerliche Vorteile – sie müssen etwa keine Körperschaftssteuer zahlen. Aber es hat auch Nachteile, denn die Träger müssen immer wieder neu beweisen, dass sie keine Gewinnabsicht verfolgen. Und das bedeutet einen riesigen bürokratischen Aufwand.

Den Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege werden häufig ineffiziente, bürokratische Verwaltungsstrukturen nachgesagt. Werden private Unternehmen ihnen deshalb die Luft abschnüren?

Traditionell war ein ineffizienter Aufbau durchaus typisch für gemeinnützige Einrichtungen. Das kommt daher, dass bei ihnen die Gewinnerzielung keine Rolle spielt, sondern man sagt: “Wir tun Gutes und reden nicht darüber.” Das führt dazu, dass manchmal auch Leistungen erbracht werden, die nicht abgerechnet werden können – durchaus zum Vorteil der Pflegebedürftigen und Kranken. Die Luft geht den Gemeinnützigen deshalb aber nicht aus.

Sind die privaten Einrichtungen unmenschlicher?

Nein. Aber es ist generell festzustellen, dass es in den vergangenen Jahren einen Wandel in der Art und Weise gegeben hat, wie unsere Gesellschaft mit alten Menschen umgeht. Einerseits haben wir Berufstätigen kaum noch Zeit, einen Verwandten zu pflegen; deshalb wird immer mehr professionelle Pflege gebraucht. Andererseits hat der Wandel einen demografischen Grund: Der Anteil Pflegebedürftiger steigt. Um die Kosten der Pflege in Grenzen zu halten, steht die Effektivität der Leistung stärker im Vordergrund. Und manchmal bleibt dabei der menschliche Aspekt auf der Strecke…

Werden die Privatanbieter die gemeinnützigen Pflegeheime und Krankenhäuser in Zukunft völlig verdrängen?

Nein, es gibt heute bereits viele Gemeinnützige, die sehr effiziente Strukturen aufgebaut haben und wettbewerbsfähig sind. Ich erwarte außerdem, dass die Hartz-IV-Reform hier einen positiven Schub geben wird. Denkbar sind neue Jobs, bei denen Arbeitslose mit Senioren spazieren fahren. Solche Angebote könnten gemeinnützigen Trägern einen strategischen Vorteil bescheren.

 

Quelle: Der Artikel erschien am 10.08.2004 in der Berliner Morgenpost.

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